Der Landesfamilienrat Baden-Württemberg fordert anlässlich seines Kongresses "Familienbildung. Alle gewinnen" am 9. Juli die bessere rechtliche und strukturelle Absicherung von Angeboten der Familienbildung.

„Wer sich mit Familie beschäftigt, dem ist klar, wie anspruchsvoll die Rollen von Partnern oder Eltern heute sind“, sagt der Vorsitzende des Landesfamilienrates Jürgen Rollin zum Auftakt des Kongresses im Stuttgarter Hospitalhof am 9. Juli. In einer Zeit des schnellen Wandels, einer Vielfalt von Lebensformen und Beziehungsmustern und einer wachsenden Individualisierung bieten Normen und Werte immer weniger Orientierung für die Gestaltung der Paarbeziehung und die Erziehung von Kindern. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die Familienerziehung stark gestiegen, so zum Beispiel bei der Bildungsförderung von Kindern. Und das bei wachsen-dem Zeitdruck, der in unserer Erwerbsgesellschaft auf den Eltern lastet. Familie ist nicht selbstverständlich. „Die Gestaltung der Paarbeziehung und die Erziehung von Kindern sind aber viel zu wichtig, um sie dem Lernen durch Versuch und Irrtum zu überlassen“, sagt dazu Rollin und weiter: „Es gilt daher, Familien in ihrem anspruchsvollen Alltag zu begleiten und zu unterstützen. Dafür brauchen wir verbindliche Konzepte und müssen – verlässlich, nachhaltig und erschwinglich - Angebote der Familienbildung bereithalten, die in allen Lebenslagen und allen Lebensphasen von Familien ankommen und die angenommen werden.“

Dafür fehlen aber nach Ansicht vieler Experten die notwendigen rechtlichen oder strukturellen Voraussetzungen im Land. Aus diesem Grund hat sich in Baden-Württemberg mit Unterstützung des Sozialministeriums das landesweite Netzwerk Familienbildung zusammengeschlossen. Aus diesem Grund findet heute (9. Juli) der 1. landesweite Kongress „Familienbildung. Alle gewinnen“ im Stuttgarter Hospitalhof statt, rund 200 Interessierte sind der Einladung gefolgt. Ziel des Netzwerks ist es, ein bedarfsgerechtes und flächendeckendes Angebot der Familienbildung für alle Familien in Baden-Württemberg zu erreichen.

„Bei den Verantwortungsträgern auf der kommunalen Ebene ebenso wie im Land, ist der Stel-lenwert von Familienbildung als einer wichtigen Form der Familienförderung noch zu wenig erkannt“, bemängelt auch der gewählte Sprecher des Netzwerks, Dietmar Lipkow. Nur 0,24 Prozent der Gesamtausgaben der Jugendhilfe entfallen in Baden-Württemberg auf die „Förderung der Erziehung in der Familie“, wozu auch die Familienbildung gehört. Dabei rechnet sich die Vorbeugung: Anerkannte Studien belegen, dass für die sozialen Folgekosten, etwa für stationäre Unterbringung oder Kriminalitätsfolgen rund dreimal so viel öffentliche Mittel fließen. „Es ist bekannt, dass jeder für die Prävention verausgabte Euro nicht nur gut angelegt ist, sondern der Gesellschaft als Ganzem zugute kommt“, so Lipkow abschließend.

Weitere Informationen
Zur Familienbildung gehören beispielsweise Geburtsvorbereitung, Kurse über die kindliche Ent-wicklung, Müttertreffs, Angebote für Eltern mit Pubertierenden bis oder für Menschen mit Pflegeverantwortung und Vieles mehr. Familienbildung wird von einer großen Zahl von Akteuren, etwa den Kirchen, der Freien Wohlfahrtspflege, den Volkshochschulen, Familienzentren und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung vorgehalten. Der Landesfamilienrat Baden-Württemberg hat aktuell ein ausführliches Positionspapier mit dem Titel „Familienbildung. Alle gewinnen. Eltern- und Familienbildung als zentraler Baustein wirksamer Familienförderung“ veröffentlicht.

2012 wurde das Netzwerk Familienbildung beim Landesfamilienrat Baden-Württemberg gegründet. Hier haben sich mehr als 30 Verbände zusammengeschlossen, die Angebote der Familien-bildung bereit halten. Der Mitgliederkreis speist sich aus den Mitgliedern des Landesfamilienrates, bei dem das Netzwerk organisatorisch angesiedelt ist, geht aber deutlich über sie hinaus.

Der Landesfamilienrat Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen, die landesweit in der Arbeit für und mit Familien engagiert sind. Er versteht sich als unabhängiger und weltanschaulich neutraler Anwalt und Partner für die Belange von Familien und beteiligt sich aktiv an der Meinungsbildung politischer Entscheidungsträger.

pdf2015-07-09.Pressemitteilung.Familienbildung.Kongress.pdf