Familienpolitik schafft die Rahmenbedingungen dafür, dass der ausdrückliche Wunsch junger Menschen zu einem Leben mit Kindern Wirklichkeit werden kann. Familienpolitik anerkennt und fördert die individuellen und gesellschaftlichen Leistungen der Familien.

Familienpolitik bezieht sich nicht nur auf die Familie in ihren unterschiedlichen Ausprägungen, sondern muss auch die sie umgebenden Unterstützungs-, Versorgungs- und Ergänzungssysteme im Blick haben.

Differenzierte Angebote und Aktivitäten entsprechen der Vielfalt familiärer Lebensbedürfnisse. Darin begründet sich der Pluralismus der Trägerlandschaft in der Familienpolitik. Familienpolitik umfasst Maßnahmen der öffentlichen Hand ebenso wie Aktivitäten freier Träger, Verbände und Initiativen. Sie sind aufeinander abzustimmen in einem partnerschaftlichen Aushandlungsverfahren.

Familienpolitik als Querschnittsaufgabe bringt die Perspektive der Kinder, die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am gesellschaftlichen Leben und die Situation von Familien in besonders belasteten Lebensumständen in allen Feldern der Politik zur Geltung.

Familienpolitik ist Zukunftspolitik. Maßstab und Ziel für Entscheidungen und das Handeln ist die Verantwortung für die Bewahrung und Verbesserung der Lebens- und Entwicklungsgrundlagen für die nachwachsende Generation angesichts dramatischer demografischer Veränderungen.

Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik

Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist der ständige Prozess eines Interessenausgleichs zwischen wirtschaftlichen und sozialen Erfordernissen der Gesellschaft. Dazu gehört eine menschenwürdige, zukunfts- und bedürfnisorientierte Daseinsgestaltung für Familien. Die Familie erwirtschaftet das Humanvermögen als eine Voraussetzung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Eine offensive, gelingende Familienpolitik ist wirtschaftlicher Standortvorteil für das Land und die Kommunen.

Familienpolitik ist Finanzpolitik

Einkommensanteile zur Existenzsicherung von Kindern und Erwachsenen sind steuerfrei zu halten. Erst nach der Herstellung der Steuergerechtigkeit beginnt der Familienlastenausgleich im Sinne von Bedarfsgerechtigkeit und danach kann erst von Familienleistungsausgleich gesprochen werden. Nicht die Ehe, sondern die Verantwortung für Kinder muss die Voraussetzung für steuerliche Entlastung sein.

Familienpolitik ist Sozialpolitik

Sie besteht aus Transferleistungen für die Anerkennung der spezifischen Leistungen von Menschen, die familiale Aufgaben übernehmen. Die sozialen Sicherungssysteme müssen so ausgestaltet sein, dass Kinder nicht weiterhin Armutsrisiko für die Familie sind.

Sie beinhaltet auch eine Alterssicherungspolitik, die Kindererziehungs- und Pflegezeiten angemessen rentenbegründend und –steigernd berücksichtigt. Sie fördert die Rahmenbedingungen für das Zusammenleben mit Kindern und älteren Menschen und unterstützt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch die Bereitstellung einer entsprechenden sozialen Infrastruktur.

Familienpolitik ist Gesundheitspolitik

Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheit. Sie zielt auf einen Zustand des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens aller Familienmitglieder. Sie umfasst Gesundheitsversorgung und Gesundheitsschutz. Dazu ist ein ausreichendes Netz von Informations- und Beratungsstellen, ambulanten und stationären medizinischen Angeboten notwendig. Nachhaltig sorgt sie bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Überlastung der Familie für Unterstützung durch familienentlastende Dienste.

Familienpolitik ist Arbeitsmarktpolitik

Sie fordert die gerechte Verteilung der Arbeit, die Schaffung von Ausbildungsplätzen und die familienverträgliche Gestaltung von Ausbildungs-, Arbeitsplätzen und Arbeitszeiten. Die Erwerbsarbeit allein darf nicht länger die Grundlage für eine eigenständige Existenzsicherung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sein.

Familienpolitik ist Bildungspolitik

Sie sorgt dafür, dass unabhängig von Herkunft und sozialem Umfeld jedes Kind entsprechend seiner individuellen Begabung und Fähigkeit Zugang zu Förderung, Bildung und Ausbildung erhält. Sie ermöglicht und fördert Bildung von Anfang an als lebenslangen ganzheitlichen Prozess. Eine ganztagsbezogene Bildungskonzeption für alle Altersstufen ermöglicht nachhaltiges Lernen und ergänzt so sinnvoll den Bildungsauftrag der Familie.

Familienpolitik ist Wohnungsbau- und Wohnumfeldpolitik

Sie ist gefordert, wenn es um den Erhalt oder die Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen geht. Bei Stadt- und Verkehrsplanung und beim Wohnungsbau einschließlich der dazugehörenden Infrastruktur muss den Bedürfnissen der Familien, von Frauen, Kindern und Jugendlichen in hohem Maße Rechnung getragen werden. Die Wohn- und Infrastruktur muss so ausgelegt sein, dass Familien die Angebote tatsächlich bezahlen und nutzen können. Gemeinschaftliche generationenübergreifende Projekte müssen stärker gefördert werden.

Familienpolitik ist Rechtspolitik

Sie setzt sich bei der weiteren Ausgestaltung des Ehe- und Familienrechts für die rechtliche Gleichstellung aller Familienmitglieder, die kindgerechte Ausgestaltungsmöglichkeit der elterlichen Sorge, das Recht auf körperliche Unversehrtheit ein.

Familienpolitik ist Politik mit und für Kinder

Sie bringt die Perspektive der Kinder in allen Politikbereichen mit Nachdruck zur Geltung. Sie setzt sich insbesondere ein für eigenständige Kinderrechte im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention. Kinder gehören in die Mitte der Aufmerksamkeit und Fürsorge der Gesellschaft. Bei der Gestaltung der Lebenswelten muss die Perspektive der Kinder eine gewichtige Rolle spielen.

Familienpolitik ist Politik mit und für Frauen und Männer

Frauen und Männer verantworten Familie gemeinsam. Die Zukunft der Familie liegt in der gleichberechtigten Partnerschaft von Frauen und Männern sowohl in Bezug auf die Verantwortung für die Familienarbeit als auch in Bezug auf den Zugang zur Erwerbsarbeit. Frauen und Männer in familiärer Verantwortung benötigen Erwerbs- und Betreuungsangebote, die es ihnen ermöglichen, Familien- und Erwerbsarbeit als gleichwertige Lebensbereiche angemessen vereinbaren zu können.

Familienpolitik ist Politik mit und für Familien mit Migrationshintergrund

Sie muss den spezifischen Lebenslagen von Familien mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft gerecht werden. Die Anerkennung der kulturellen Vielfalt und die Akzeptanz der unterschiedlichen Lebensstile eröffnet uns allen die Chance zum Erwerb von interkultureller Kompetenz. Die Weiterentwicklung unserer Zivilgesellschaft und das gelingende Zusammenleben in einer globalisierten Welt stellen den gemeinsamen Gewinn dar.

Der besondere Schutz des Grundgesetzes gilt auch für Familien von Migranten. Sie brauchen Rechtssicherheit unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

Familienpolitik als eigenes Politikfeld

Sie stärkt die Erziehungskraft der Familie. Sie stabilisiert die Partnerschaft der Eltern. Sie sichert die Ressourcen der Familie. Sie fördert die Solidarität zwischen den Geschlechtern und Generationen, nicht nur der Jungen mit den Alten, sondern auch der Alten mit den Jungen.

Familien, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind, wie allein Erziehende, Familien mit behinderten und kranken Mitgliedern, von Arbeitslosigkeit und Armut betroffene Familien, bedürfen der Fürsorge aller und der besonderen staatlichen Unterstützung.

Neue Formen familiären Zusammenlebens werden aktiv begleitet und unterstützt. Sie nimmt Veränderungen in der gesellschaftlichen Wirklichkeit und sich entwickelnde Bedürfnisse aufmerksam wahr und schafft förderliche Rahmenbedingungen.

Der Landesfamilienrat

fordert seit Jahren von Bund, Land Baden-Württemberg und den Kommunen eigenständige und aufeinander abgestimmte familienpolitische Konzeptionen für ihre Zuständigkeiten zu entwerfen. Dabei muss sichergestellt sein, dass den Bedürfnissen von Familien im Ablauf politischer Entscheidungsprozesse von Anfang an das nötige Gewicht beigemessen wird.

In Baden-Württemberg sind die Familienwissenschaftliche Forschungsstelle und der Landesfamilienrat Ausdruck dafür, dass die Politik ihre Verantwortung in diesem Feld ernst nimmt. Die Familienwissenschaftliche Forschung ist notwendig, um gesicherte Erkenntnisse für politisches Handeln zu gewinnen. Die gebündelte und kompetente Vertretung der Interessen von Familien sind ein gewichtiger Faktor bei der Beratung von Politik und Verwaltung. Ihre Funktionsfähigkeit ist auch in Zukunft sicherzustellen.

In der Familienpolitik geht es nicht um Vergünstigungen von Familien, sondern um den Abbau von struktureller Rücksichtslosigkeit gegenüber der Familie. Familienpolitik soll dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für Familien sowie eine familien- und kinderfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.